Daten & Fakten Nationalpark Sächsische Schweiz Lage: Sachsen, Deutschland Nächste Stadt: Pirna, Bad Schandau, Sebnitz, Rathen Fläche: 93.5 km² Gründung: 1. Oktober 1990 Adresse: Staatsbetrieb Sachsenforst Nationalparkamt Sächsische Schweiz An der Elbe 4 D–01814 Bad Schandau Geografie Der Nationalpark Sächsische Schweiz liegt – in zwei räumlich getrennten Bereichen – im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Westlicher Bereich Dieser Bereich umfasst das Basteigebiet, den Lilienstein und das Polenztal. Im Westen begrenzen die Gemeinden Stadt Wehlen und Lohmen, im Norden die Gemeinden Lohmen und Hohnstein, im Osten Hohnstein und Goßdorf und im Süden die Gemeinden Bad Schandau, Rathen und Stadt Wehlen diesen Bereich. Die Gemeinde Waitzdorf liegt vollständig in diesem Gebiet. Bedeutende Berge sind der Lilienstein 415 m ü. d. M., die Bastei 305 m ü. d. M., der Hockstein und der Brand 317 m ü. d. M.. Der Grünbach mit dem Amselsee und die Polenz sind die einzigen nennenswerten Gewässer. Östlicher Bereich Der östliche Teil umfasst das Gebiet der Schrammsteine, des Großen Winterberges, des Großen Zschandes und der Hinteren Sächsischen Schweiz. Im Westen begrenzen die Gemeinde Bad Schandau und der Ortsteil Altendorf und im Norden die Sebnitzer Ortsteile Altendorf, Ottendorf und Hinterhermsdorf dieses Gebiet. Im Osten und im Süden grenzt dieser Bereich an den Nationalpark Böhmische Schweiz. Von Schmilka bis Bad Schandau ist die Elbe die südliche Grenze dieses Bereiches. Bedeutende Berge sind der Große Winterberg 556 m ü. d. M., der Neue Wildenstein mit Felsentor Kuhstall 337 m ü. d. M. und der Raumberg 459 m ü. d. M. Die Kirnitzsch ist das einzige nennenswerte Gewässer. Geschichte Die ersten Bestrebungen, die Sächsische Schweiz unter besonderen Schutz zu stellen, gab es seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundertes. Vorerst wurden nur einzelne Berge, zum Beispiel 1850 der Tiedgestein im Rathener Gebiet, durch Erhaltungsmaßnahmen geschützt. Das Polenztal war das erste Gebiet, das 1912 unter Schutz gestellt wurde. Zwei Vereine, der Landesverein Sächsischer Heimatschutz, gegründet 1908 und der Verein zum Schutz der Sächsischen Schweiz, gegründet 1910, setzten sich bis zum Zweiten Weltkrieg für den Naturschutz ein. Der Gedanke des Schutzes der gesamten Sächsischen Schweiz entstand in den 1930er Jahren. Realisiert wurde 1938 das NSG Bastei (7,85 km²) und 1940 das NSG Polenztal (0,91 km²). 1953 wurden Bestrebungen unternommen, einen Nationalpark Sächsische Schweiz auszurufen. 1954 wurde diese Idee in Bad Schandau Fachleuten und staatlichen Behörden vorgestellt, scheiterte aber letztendlich an der DDR-Regierung, die die Kategorie Nationalpark nicht ins Naturschutzgesetz aufnahm. Ein einheitliches Landschaftsschutzgebiet Sächsische Schweiz (368 km²) wurde 1956 geschaffen. Ab 1957 versuchten Naturforscher ein Tierschutzgebiet mit einer Fläche von 35 km² einzurichten. Innerhalb des Landschaftsschutzgebietes entstand 1961 das NSG Großer Winterberg. Erweiterungen des NSG erfolgten 1966 um das Gebiet des Großen Zschandes (NSG Großer Winterberg und Zschand) und 1986 um die drei Teilgebiete (Poblätzschwände, Pechofenhörner und Raumberg) auf 10,92 km². Das NSG Kirnitzschklamm (0,53 km²) wurde ebenfalls 1961 ausgerufen. Zusätzlich zu den Naturschutzgebieten wurden Totalreservate festgelegt. Es handelt sich dabei um Gebiete, die nicht betreten werden durften. Auf Wanderkarten waren diese Gebiete durch eine rote, senkrechte Schraffur gekennzeichnet und in der Natur durch Schilder markiert. Innerhalb des NSG Kirnitzschklamm gab es mit dessen Gründung ein Totalreservat mit einer Fläche 0,22 km². 1979 wurde das Totalreservat Böses Horn in den Bärenfangwänden und 1989 die Totalreservate Auerhahnsteig und Weberschlüchte festgelegt. Nationalparks gab es in der DDR bis 1990 nicht. Mit der Gründung des Nationalparkes wurde die Sächsische Schweiz in ein einheitliches, international übliches und vergleichbares Schutzgebiet umgewandelt. Ökologie Flora Ohne forstwirtschaftliche Nutzung würde das Gebiet des Nationalparkes heute zum größten Teil aus Eichen- und Hainbuchenwäldern bestehen. Seit etwa 200 Jahren ist dieser Naturwald durch Fichtenwald ausgetauscht worden und wird heute langsam wieder in einen naturnahen Laubwald umgewandelt. Die starke Gliederung der Landschaft und geologische Störungen im Sandstein führen zu Besonderheiten in der Flora. Gebiete mit früheren, vulkanischen Aktivitäten sind durch einen Buchenbestand gekennzeichnet. Typisch dafür ist das Gebiet um den Großen Winterberg, Raumberg und der Zeughausgang vom Goldstein bis Hinterhermsdorf. Auf den freistehenden Felsriffen sind die Riffkiefernwälder dominant, die durch die Einwirkung von Wind teilweise den Windflüchtern an Küsten ähnlich sind. In den Schluchten kommt es aufgrund des Kellerklimas zu einer Inversion der Waldhöhenstufen. Vereinzelt sind an den Hängen Weißtannen zu finden. Im Kirnitzschtal zwischen der Oberen und Unteren Schleuse und zwischen der Neumannmühle und Bad Schandau haben sich kleine Auenwiesen gebildet. Die Bodenvegetation, soweit vorhanden, besteht aus Heidekraut, Farnen und Heidelbeerkraut. Als weitere Pflanzen im Bodenbereich ist der Sumpfporst und das Fuchssche Kreuzkraut zu erwähnen. Auf feuchten Felsflächen (Schichtfugen, Mundlochbereiche von Höhlen) wächst ganzjährig das an geringste Lichtverfügbarkeit und saure Wässer gut angepasste Leuchtmoos. Standortfremde Pflanzen sind das Drüsige Springkraut und die Weymouthskiefer. Fauna Bedingt durch die große geschlossene Waldfläche im östlichen Teil des Nationalparkes und die daran unmittelbar anschließende im Nationalpark Böhmische Schweiz, die nahezu unbesiedelt sind, haben eine Vielzahl von seltenen Tierarten hier ein Rückzugsgebiet gefunden und es konnten bereits erloschene Populationen erfolgreich wieder angesiedelt werden. Vögel: Eulen, Habichte, Schwarzstorch, Eisvogel, alle Spechtarten Säugetiere: 16 von 18 in Deutschland heimischen Fledermausarten, Schwarzwild, Rotwild, Marder Kriechtiere: Kreuzotter, Ringelnatter, Feuersalamander Fische: Forellen, Lachse Erfolgreiche Wiederansiedelungen Der Wanderfalke war in den 1970ern vollständig verschwunden und wurde seit Anfang der 1990er wieder angesiedelt. Derzeit existiert eine stabile Population. Zum erfolgreichen Ausbau dieser werden während der Brut- und Aufzuchtzeit (März bis August) Horstschutzzonen eingerichtet. Am Anfang des 19. Jahrhunderts war das Wildschwein ausgerottet, siedelte sich aber ohne menschliches Zutun seit den 1950ern wieder an und stellt heute eine starke, schadenanrichtende Population dar. 1907 bis 1911 und 1937 bis 1939 wurden Gemsen ausgesetzt, deren Nachfahren heute noch eine stabile Gämsenpopulation bilden. Gleiches gilt für die Einbürgerung von Mufflons seit den 1930ern. Trotz mehrerer Vorschläge, das seit den 1970ern nicht mehr nachgewiesene Auerhuhn wieder anzusiedeln, fehlt bis heute eine Population dieses Vogels im Nationalpark. Im Jahr 1743 wurde der letzte Luchs erlegt. Der Luchsstein im Lindengründel erinnert daran. Bestätigte Sichtungen eines Luchses in freier Wildbahn gibt es bis heute nicht; es wird aufgrund von Kotausscheidungen, Fährten und gerissenem Wild vermutet, dass sich inzwischen wieder eine kleine Luchspopulation angesiedelt hat.

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Artikel veröffentlicht am 17.01.2020

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